Die Thai-Therapie – Ein Experiment in Phuket

Die Thai-Therapie

Ich hatte böse Alpträume. Abstürzende Flugzeuge, Ertrinken im Meer, vergiftetes Essen. Und ich die ganze Zeit splitternackt. Panikträume.

So langsam beruhigte sich mein Blutdruck wieder. Ich hörte das gleichmäßige Surren einer Klimaanlage. Bestes Zeichen dafür, dass ich nicht zuhause sein konnte. Vorsichtig öffnete ich die Augen. Der Raum war abgedunkelt. Nur vereinzelt traten Lichtstrahlen durch die nicht ganz zugezogenen Vorhänge. Einer dieser Lichtstrahlen hatte mich wohl geweckt. Ich hielt die Luft an. Wo war ich und was war das für ein Geräusch? Es kam ganz aus der Nähe und hörte sich wie das gleichmäßige Atmen eines Menschen an.Meine Benommenheit wich langsam zurück und die Erinnerung kam wieder. Ich war in Thailand. Genauer gesagt in Phuket. Und das junge Mädchen neben mir war…

Ja, ich weiß schon, was sie jetzt denken. Da hat sich der alte Bock doch tatsächlich so ein Leasing-Model in die Hütte bestellt, um seine Gelüste abzureagieren. Da muss ich Sie allerdings enttäuschen. Das Mädchen habe ich nämlich aus Deutschland mitgebracht. Und damit Sie verstehen, wie es dazu gekommen ist, muss ich ein wenig ausholen.

Sarah kenne ich schon seit gut zehn Jahren. Sie ist fester Bestandteil einer Clique in meinem Wohnort, die aus Musikern, Fotografen und anderen Künstlern besteht. Dazu gehören z.B. Sascha mit seiner Freundin Eva, die beide bei der recht bekannten Band „BEES“ mitspielen. Oder Björn, ehemals ein Freund von Sarah, der Theater spielt und im Chor singt. Dann noch Nici, die Schwester von Sascha, dessen Tochter Luci und viele mehr, die mir eben seit einem Jahrzehnt immer wieder über den Weg laufen. Sarah ist selbstständige Fotografin mit dem Schwerpunkt „Baby-Fotografie“. Deswegen sehe ich auf den Bildern, die sie von mir gemacht hat, auch noch so jung aus (kleiner Scherz). In diesem Jahr hat Sarah alle Schauspieler der Volksbühne Bad Homburg fotografiert und sogar in der Komödie „Ein seltsames Paar“ selbst auf der Bühne gestanden. Das hat sie so gut gemacht, dass wir das bei Gelegenheit wiederholen wollen.

Falls das hier jemand liest, der mich nicht kennt, kurz ein paar Eckdaten: Beruf: Sprecher. Hobbys: Theater, Musik, Computer. Familienstand: Geschieden, zwei Kinder, 29 und 33 Jahre alt.

 
Sarah und Rainer
Vor zwei Monaten saß ich mit zwei weiteren Freunden aus dieser Clique bei einem Glas Wein zusammen und überlegte, wo ich denn in diesem Jahr Urlaub machen könnte. Ich fahre nämlich gerne über den Jahreswechsel irgendwo ins Warme statt zum Skifahren in die Kälte. Rosy und Ludwig wollten (mal wieder) nach Phuket, an die „Nai Harn Beach“. Ich war da schon neun mal und habe es dort immer wunderbar gefunden. Nur alleine macht das leider wenig Spaß. Da meine letzte Beziehung nach vier Jahren ein heftiges Ende fand – mit ordnungsgemäßer Trennung per E-Mail – verbrachte ich meine karge Freizeit wieder allein. Viele Theater- und Kneipenbesuche helfen ja über die Einsamkeit hinweg, aber einen ganzen Urlaub alleine zu verbringen, hätte ich nicht durchgestanden. Also sagte Ludwig, ich sollte doch einfach mal die Sarah fragen, ob sie mit will. Immerhin wäre sie ja derzeit auch solo. Ich wies den Vorschlag entrüstet zurück, konnte aber die darauffolgenden Tage nicht aufhören, daran zu denken. Und als Sarah mich und andere nun zu Ihrem 29. Geburtstag einlud, malte ich geradezu manisch einen Reisegutschein für das Mädel – in der Gewissheit, dass sie nach einem ihrer typischen Lacher dankend ablehnen würde. Aber dem war nicht so, Sarah freute sich sehr. Auch ihre Mutter, die aus Berlin angereist war, hatte nichts dagegen, so dass wir ein paar Tage später anfingen, Pläne zu machen.
Ein Direktflug von Frankfurt nach Phuket war schnell gefunden. Ein Mietwagen auch. Als Apartment haben wir uns im „Baan Krating“ eingebucht, ehemals „Dschungle Beach Resort“ genannt. Eine sehr versteckte Bungalow-Anlage, weit hinter den Touristenherbergen versteckt.
Sarah und Rainer – ein Altersunterschied, der einem schon zu denken geben muss. Was Sarah mir an Jugend und Schönheit voraus hat, kann ich mit meiner Erfahrung und meinem Bauchspeck zwar locker ausgleichen, aber gleich mal am Anfang klipp und klar: Wir sind kein Paar und werden keins werden. Sarah ist meine Reisebegleiterin, sonst nix. So ´ne Art Testlauf, falls ich in ein paar Jahren mal mit einer Krankenschwester verreisen muss.
Auf dieser Reise war allerdings ich eher die Krankenschwester und Sarah der Patient. Sarah leidet leider unter plötzlich auftretenden Angstzuständen. Agoraphobie heißt die seltene Krankheit, die einem das Leben ganz schön vermiesen kann. Als freischaffende Fotografin kann sie ihren Arbeitsalltag frei gestalten, aber eine Reise rund 20.000 km durch die Welt ist da schon eine ganz andere Herausforderung. Ein paar Vorgespräche zeigten jedoch schnell, dass Sarah sich die Reise zutraute. Die Behandlung im Panikfall ist auch nicht sonderlich schwierig. Immer genug zu Essen und zu Trinken dabei haben ist schon die halbe Miete. Außerdem helfen Entspannungsübungen mit passender Musik aus dem iPad.

Ich habe dann beschlossen, das Risiko einzugehen. Immerhin habe ich sie im letzten Jahr schon erfolgreich dazu gebracht, vor Tausenden von Zuschauern in einem Theaterstück mitzuwirken. Für mein Verständnis sind dafür sehr viel mehr Hürden zu überwinden als für eine Reise ans andere Ende der Welt.

Was man halt so denkt.

Am 31.12.2013, an Sylvester, pünktlich um 14.40 Uhr hob die Boing 767 der CONDOR in Frankfurt am Main ab. Bis zu diesem Moment hatten wir schon einige Stepps bewältigt. Anfahrt zum Flughafen, Abgabe des Gepäcks, Sicherheitscheck und Passkontrolle. Da am letzten Tag des Jahres kaum jemand verreisen wollte (außer den 264 Passagieren in unserem Flieger), war der Flughafen vergleichsweise leergefegt, und wir kamen überall schnell und problemlos voran. Wie immer wurde mein technisches Equipment einer Sonderuntersuchung unterzogen, aber sonst lief alles glatt. Nicht einmal eine Handabtastung wurde uns gegönnt.

Und dann 10 Stunden und 47 Minuten Direktflug nach Phuket. Wir hatten irgend so ein Sonderpaket mit besserem Essen gebucht, aber das wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen. Der „normale“ Touristenfraß sah auch recht lecker aus. Das Bordprogramm war sehr umfangreich: Drei Spielfilme (von denen ich den einzig Guten schon kannte), zwei Mahlzeiten, Bordverkauf und schließlich ein Sammelaufruf für notleidende Kinder. Der herzzerreißende Videoclip hierzu wurde von meinem Kollegen Olaf Pessler gesprochen, der Sarah und mir noch wenige Stunden vorher einen guten Rutsch gewünscht hatte. Vor Olafs Stimme kann man halt nicht fliehen. (So ist der Lauf der Dinge – Olaf ersetzt inzwischen so manchen meiner früheren Dauerjobs…)

Zwischendurch kamen wir uns vor wie in einem aktuellen „Tatort“. Ein Mitreisender kam von der Toilette zurück und verwirrte alle Nähersitzenden mit einem grauenhaften Zigarettenqualm-Geruch. Der Typ hatte trotz strengem Verbots in der Toilette geraucht!!!

Etwa eine Minute später kam auch schon die öffentliche Bloßstellung über die Lautsprecheranlage. Man habe nicht genug Löschgeräte an Bord, deswegen sei Rauchen auf der Toilette mindestens so schlimm wie Totschlag. Im Wiederholungsfall würde der Täter angezeigt und habe mit Kosten in fünfstelliger Höhe zu rechnen. Falls eine Zwischenlandung notwendig wäre, könnten die Kosten noch deutlich darüber liegen. Auf jeden Fall würde die arme Qualmseele im Wiederholungsfall der thailändischen Polizei übergeben. Diese Aussicht schien dem Kettenraucher dann doch zu gefährlich zu sein – er hat sich und uns weitere Kippen erspart.

Weiche Landung, leicht verzögerter Touri-Applaus um 07:46 Uhr Ortszeit in Phuket. Auch hier weit und breit kein anderer Flieger in Sicht, daher sehr schnelle Passabfertigung. Selbst das Gepäck kam so schnell wie noch nie. Trotz einiger Schlafeinlagen waren wir beide sehr gerädert. Unsere innere Uhr stand ja auch auf 2.00 Uhr deutscher Zeit. Und wir waren ja noch lange nicht da.Sechs Punkte galt es noch zu erledigen:

  1. Obst und Wasser für Sarah kaufen
  2. Thailändische SIM-Karten erwerben
  3. Mietwagen abholen
  4. Nach Nai Harn fahren (Linksverkehr!)
  5. Im Hotel einchecken

Das mit dem Automaten hat schon mal nicht gut geklappt. Erst der dritte der drei vorhandenen Geldautomaten im Airport war so nett, Geld auszuspucken. Allerdings nur einen Bruchteil des Betrages, den ich haben wollte. Gerade mal 5000 Baht, rund 125.- Euro, wurden mir ausgezahlt. Na ja, besser als gar nichts.

Die SIM-Karten kaufte ich dann in einem kleinen Kiosk am Flughafen, wo wir auch Wasser und was zu knabbern für Sarah fanden. Für je 495.- Baht, also ca. 12.- Euro, hatte ich eine Gigabyte-„Flatrate“ für unsere iPhones eingekauft. Später habe ich das Preisschild auf der Verpackung mal vorsichtig abgelöst, um den früheren Preis lesen zu können: Original kostete die SIM-Karte nur 193 Baat…
Kleiner Tip: Die Karte NICHT am Flughafen kaufen, sondern in dem Ort, in dem man wohnt. Denn leider ist der Empfang nicht überall gleich gut. Unsere Karte funktionierte zwar in unserem Bungalow, aber in dem Restaurant, etwa 150 Meter entfernt, ging leider gar nichts mehr.

Dann suchten wir den AVIS-Stand. Da wir den offiziellen Teil des Flughafens schon wieder verlassen hatten, mussten wir an einem bewaffneten uniformierten Bediensteten des Flughafens wieder zurück in die Ankunftshalle. Der Avis-Stand war allerdings verwaist. Ein Schild deutete nach rechts. Also trabten wir mit unserem Kofferkuli (kostenlos) wieder nach rechts, zurück zu dem Lädchen mit den SIM-Karten. Und tatsächlich, direkt daneben war der AVIS-Stand. Die Mitarbeiterin hatte es nicht so eilig und blätterte einen Stapel mit Vorbestellungen ganze dreimal langsam und gründlich durch, bis sie meine Bestellung endlich zuordnen konnte. Sarah war kurz vorm Platzen. Den weiteren, notwendigen Papierkram hatten wir nach etwa zehn Minuten erledigt. Für Thai-Verhältnisse eine unglaublich gute Zeit, für Sarah ein Horror. Dann wurde uns der Wagen übergeben. Auch hier mussten Kilometerstände, Benzinpegel und vor allem die vielen Dellen dokumentiert werden, die unser Toyota mit seinen 71000 km schon „erfahren“ hatte.

Um 9:15 Uhr konnte ich endlich losfahren. Die Müdigkeit war wie weggefegt, als ich uns so langsam und sorgsam wie möglich in den turbulenten Verkehr einfädelte. Die ersten paar Kilometer auf der „falschen“ Straßenseite sind regelmäßig eine besondere Herausforderung, aber wenn man sich die wichtige Grundregel „Erst nach RECHTS schauen“ gründlich einprägt, kann eigentlich nichts passieren. Der Weg nach NAI HARN BEACH war mir bekannt – dies war immerhin mein zehnter Besuch an diesem schönen Fleckchen Erde.
So langsam kam Sarah wieder zu Kräften. Blöd nur, dass ich anfing, ihr von den verschiedenen Sehenswürdigkeiten vorzuschwärmen, die wir besuchen würden. Davon wollte sie nämlich hier und heute nicht das Geringste wissen. Sie sagte, sie müsse erstmal ein Nest bauen, sich dort wohlfühlen und Sicherheit verspüren, bevor sie auch nur einen Fuß aus dem Apartment treten könne. Na dolle.
Die Fahrt dauerte knapp eine Stunde und ich vermied, weitere Ausflugsziele anzupreisen. Vom Auto aus betrachtet, bot die Insel auch herzlich wenig Attraktionen, die zum Verweilen einluden. Heftigster Straßenverkehr mit Myriaden von Mopedfahrern, die ständig von allen Seiten auftauchten und eine ordentliche Fahrweise nie gelernt hatten. Überall Reklameschilder und frei verkabelte Stromleitungen. Ein Gewusel und Gewimmel, das mit dem Wort „Kulturschock“ ganz gut beschrieben ist.
 
Der Strand bei AoSane
Und dann NAI HARN BEACH. Früher ein Kleinod Thailands mit wenigen kleinen Hotels und dem luxuriösen „Yachtclub“ als Anlaufstelle für die Besser-Betuchten dieser Erde. Agnetha Fältskög von Abba stieg hier ab, Sir Peter Ustinov war hier bis zu seinem Tode Stammgast. Dazu ein langer, langer feinsandiger Strand ganz ohne Liegestühle und Sonnenschirme, in Palmen eingebettet. Früher wohlgemerkt. Heute ist so gut wie jeder Quadratmeter Land mit Hotels vollgepackt. Wo kein Hotel steht, stehen Restaurants, „Armani“-Schneidereien, Kneipen und sonstige Geschäfte. Der ehemals menschenleere Strand ist vor lauter teuer zu mietenden Liegestühlen nicht mehr zu erkennen. Tausende von Touristen planschen im Wasser rum oder halten ihre fetten Wampen in die Sonne. Ortssprache ist inzwischen russisch. Und hat man früher immer über die schrecklichen Engländer geschimpft, ist dieser Ruf von den Russen längst eingestellt und weit übertroffen worden. Wer nicht genug Geld hat, sich in der Nähe dieses Strandes aufhalten zu können, wohnt Richtung Landesinnere auf einem etwa 5 qkm großen Gebiet, in dem sich alle dreihundert Meter die immer gleichen Lebensmittelketten finden, unterbrochen von Massagesalons, Bierkneipen, Restaurants, Nagelstudios, Mopedwerkstätten und Animierbars. Die früher üblichen Kleinwagen sind mehr und mehr den völlig überflüssigen SUVs gewichen, die das Fahren durch die schmalen Gassen nahezu unmöglich machen.
Und obwohl Sarah innerlich sowieso schon fast abgeschaltet hatte, konnte ich in ihrem Gesicht die Frage lesen „Und das soll schön sein“?
Ich wusste ja, dass ich noch meinen Trumpf im Ärmel hatte. „Keine Sorge, wir sind noch nicht da“, beruhigte ich die Kleine. „Nur noch 5 Minuten!“. Und dann fuhr ich auf das Gelände des Yachtclubs. Ein uniformierter Angestellter winkte mich weiter. Ich überquerte den Parkplatz und fuhr geradeaus in den Keller, unter das Hotel durch. Danach wieder an die Oberfläche, noch an einigen neueren Hotels vorbei, bis sich die Straße zu einem asphaltiertem Feldweg verjüngte. Es ging hoch und runter, und viele enge Kurven zwangen mich, sehr langsam zu fahren. Gegenverkehr hätte nur an wenigen Punkten passieren können, aber es kam niemand. Ich zeigte nach links unten auf den Strand, wo man ein Restaurant erkennen konnte. „Das ist Ao Sane. Hier werden wir wohl meistens essen oder uns mit Freunden unterhalten“, sagte ich. Wenn Blicke töten könnten, wäre die Reise jetzt schon beendet gewesen. Ich fuhr weiter, über eine extrem verkehrsunsichere Holzbrücke hinweg. Insider nennen die Brücke die „RME-Gedächtnisbrücke“, weil ich mir hier vor ein paar Jahren mit einem Moped mal fast den Fuß abgesägt hätte. Ich vermied es, Sarah schon jetzt davon zu erzählen. Dann – nach zwei weiteren Holzbrücken, deren Einsturz unmittelbar bevorsteht – waren wir da. „BAAN KRATING“ heißt die Hotelkette, die hier die Regie im ehemaligen „DSCHUNGLE BEACH RESORT“ übernommen hat. Und das ist gut so. Denn wir kamen in eine sehr gepflegte Bungalow-Anlage mit eigenem Strand, mit Pool, Restaurant und wunderschönen, am Hang gelegenen Bungalows. So günstig gelegen, dass selbst der berühmte Tsunami vor neun Jahren hier kein Unheil anrichten konnte. Aber noch waren wir nicht im Zimmer. Erst mussten wir uns ja bei der Rezeption anmelden. Sarah lümmelte sich sogleich auf die einzige Sitzgelegenheit im Empfang, um bestimmt, aber überdeutlich ihren Status kundzutun: Fertig, und zwar so richtig.

Der freundliche Mitarbeiter in der Rezeption sprach ein sehr gutes Englisch, so dass wir keine Probleme hatten, uns anzumelden. Pass abgeben, fotokopieren lassen und ein paar Zettel ausfüllen. Das war alles. Fast alles. Denn ich musste noch meine Kreditkarte hinterlegen. Wie sich herausstellte, reagierte die automatische Kreditkartenfreigabe mit diesen „Durchziehmaschinen“ nicht mehr. OK, am Tag nach Sylvester kann das passieren. Leider wurde aber meine VISA-Karte auch nach telefonischer Anfrage schlicht und einfach abgelehnt.

Jetzt war ich derjenige, der in Panik geriet. Ich war in Thailand und hatte so gut wie keinen Pfennig Geld dabei. Der Mann am Tresen war sehr umgänglich und empfahl mir, dass ich meine Bank anrufen solle, um die Sache zu klären. Inzwischen war es in Deutschland morgens um 5 Uhr. Neujahrsmorgen. Welche Bank hat da wohl auf? Also verschoben wir die Angelegenheit erst mal auf später. Außerdem sei das Zimmer erst um 12.00 Uhr beziehbar.

Mit Sarah war jetzt gar nicht mehr gut Kirschen essen. Noch eine Stunde ohne Schlaf, ohne Ruhe, ohne zu wissen, was passiert? Dass ich selbst genauso ängstlich war, habe ich ihr besser nicht gesagt. Also sind wir zu Plan B übergegangen, den ich mir wohlweislich schon für den Fall, dass der Bungalow noch nicht bezugsfertig war, vorher zurechtgelegt hatte.

Rosy und Ludwig, die beiden Freunde, die mir geraten hatten, mit Sarah hierher zu fliegen, waren nämlich auch da. Zwar nicht im „Baan Krating“, sondern im „AO SANE“, zu dessen Restaurant noch eine Menge kleiner, einfacher Bungalows gehören. Ich wusste zwar nicht, in welcher Hütte die beiden wohnten, aber ich hatte ja Rosys Handynummer. Dreimal habe ich es lange, lange klingeln lassen, bis sie sich endlich verschlafen meldete (Sie waren erst kürzlich zu Bett gegangen – immerhin war gestern Sylvester!). Wir verabredeten uns im Restaurant und Rosy stimmte zu, dass Sarah bis zur Zimmeröffnung dort eine Mütze Schlaf nehmen könne. Und so geschah es dann. Sarah fiel – nachdem sie sich noch einen Bikini angezogen hatte und mit den Beinen mal kurz ins Meer gehupft war – in todesähnlichen Tiefschlaf, und ich konnte Ludwig und Rosy meinen finanziellen Engpass erläutern. Die beiden boten an, mir mit ihrer Kreditkarte auszuhelfen, was mir eine schwere Last von der Schulter nahm. Dann aber versuchte ich tatsächlich, bei der Bank anzurufen. Die Bank heißt immerhin „VISA“ und da gönne ich mir doch gerne mal die Freiheit, am Neujahrsmorgen um fünf Uhr dreißig dort anzurufen. Zapperlot! Das klappte! Eine nette Dame „verifizierte“ mich durch Abfrage diverser Dinge, die nur ich oder jeder andere, der mich kennt, wissen kann und erklärte mir dann, dass ich mein Limit überzogen hätte. Ich muss gestehen, ich wusste gar nicht, dass ich ein Limit habe. Bisher habe ich immer ein Leben ohne Limit geführt, aber das scheint nicht für alle Bereiche zu gelten. Jedenfalls war durch diverse Weihnachtseinkäufe, die Kaution für den Mietwagen und die Mini-Abhebung am Flughafen mein Limit nahezu erreicht. Für die Hotelrechnung fehlten mir noch über 200 Euro. Nach ein paar lieben Worten mit der Dame in Berlin war das Problem aber wieder aus der Welt geschafft. Nach zehn Minuten hatte ich ein neues Limit in Höhe von 4500.- Euro bis zum 5. Februar. Das sollte ja wohl reichen.

Um Sarah den ganzen Eincheck-Vorgang nicht ein zweites Mal zuzumuten, bin ich dann selbst wieder ins Hotel zurück und habe es dann endlich geschafft, den Schlüssel für unser Apartment 303 zu bekommen.

 
Der Garten vom Dschungel Beach Resort

Die BAAN KRATING-Bungalowanlage hatte ja schon einige Vorbesitzer, aber erst der aktuelle Betreiber hat es geschafft, eine gewisse Qualität einzuhalten. Es ist zwar nicht First Class, aber vier Sterne kann man mit etwas gutem Willen durchaus vergeben. Die ältesten Holzhütten mit Strohdach sind natürlich am Kleinsten und ziemlich runtergewirtschaftet, aber vor drei Jahren wurden ein paar neue Apartmenthäuser aus Stein gebaut, die – für thailändische Begriffe – durchaus luxuriös ausgestattet sind. Unser Apartment 303 befand sich in einem dieser Steinhäuser. Der Architekt des Apartments muss allerdings beim Entwurf bekifft gewesen sein. Wie hätte er sonst auf die Idee kommen können, das Bad samt Toilette so anzuordnen, dass man vom Kopf des linken Bettes über ein Fenster direkt auf die Dusche und die Kloschüssel schaut? Wieso überhaupt Fenster vom Bad in den Wohnraum? OK, sie lassen sich mit kleinen Rollos einigermaßen blickdicht verschließen, aber dann haben sie ja erst recht keinen Sinn mehr…

Die Toilette wurde nicht überzeugend platziert

Da Sarah ja tief und fest in Ludwigs Hütte pennte, nahm ich mir die Zeit, meinen Koffer auszupacken und eine Dusche zu nehmen. Dabei fiel mir auf, dass ich außer meiner Sonnenbrille auch mein Duschgel vergessen hatte. Nobody is perfect. Musste ich mich halt mit Haarwaschmittel duschen. Etwa eine Stunde später habe ich Sarah dann aus Onkel Toms Hütte befreit und sie mit dem Auto in ihr neues Domizil gefahren. Zu meiner großen Erleichterung gefiel Sarah alles sehr gut. Der Dschungel um uns herum, die freundlichen Menschen, das großzügige Zimmer, der Kühlschrank mit neuen, exotischen Säften, das große Bad und und und…

Von hier an ließen sich unsere Tagesabläufe eine Weile irgendwie nicht mehr synchronisieren. Wie schon beschrieben, würde Sarah einige Tage brauchen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Im Gegensatz dazu hatte ich meinen Jetlag schon fast überwunden und mich dem Rhythmus der anderen Gäste angepasst. Mein Mittelpunkt war von da an das Strandrestaurant AO SANE mit seinem wunderbaren Essen, Sarah lag lieber im Zimmer oder am Strand, manchmal auch am Pool. Der erste „Ehekrach“ war nicht zu vermeiden, führte aber dazu, dass wir beide von da an versuchten, wenigstens gemeinsame Nachtzeiten einzuhalten.

Am zweiten Tag besuchten wir meinen alten Freund Bernt, der zusammen mit seiner Frau Herma während Deutschlands Winter hier in Nai Harn Urlaub macht.

Wir waren nicht die einzigen Gäste: Eine Gottesanbeterin hatte den Weg zu uns gefunden und ließ sich eine Weile begaffen. Dann flog sie in mein Haar, wo sie heftige Abwehrreaktionen erwarteten.

 
Bernt und seine Gottesanbeterin

Lange konnten wir nicht bleiben, da ich noch ein bisschen was arbeiten musste. Ich war zwar im Urlaub, aber eigentlich auch nicht. Denn wenn irgendein Kunde von mir eine Audioaufnahme brauchte, habe ich die natürlich machen können. Dazu hatte ich mir extra eine neue Erfindung aus den USA kommen lassen. So eine Art überdimensionaler Plopschutz, etwa kürbisgroß, der laut Werbung jegliche Nebengeräusche in einem normalen Raum eliminieren würde. Im Internet kann man sich sogar Aufnahmen ansehen und -hören, die mitten auf einer befahrenen Straße gemacht wurden. Ohne diesen Schallschutz wären die Aufnahmen absolut unbrauchbar gewesen – mit diesem „Eyeball“ der Firma „KAOTICA“ war der Straßenlärm nahezu komplett rausgefiltert. 200.- Dollar, die sich gelohnt haben.

 
Mein mobiles Aufnahmestudio mit „Eyeball“

Was haben wir an den ersten drei Tagen sonst so den ganzen Tag getrieben? Nun, an erster Stelle standen natürlich die kulinarischen Spezialitäten Thailands. Tolle Fischgerichte, Suppen, Currys, Reis- und Nudelspeisen und natürlich auch die unvermeidlichen „Burger“ – wenn auch selbstgemacht und nicht von McDonalds. Wer es lieber europäisch mag, kann auch Pizza oder Cordon Bleu essen. Alles war frisch und schmeckte viel, viel besser als unser Supermarkt-Chemiefraß daheim. Allein die vielen Obstsorten, die vor Ort ganz anders schmeckten als nach einer 10.000-km-Reise im Bauch eines dunklen Handelsschiffes, haben die Reise gelohnt.

Der abendliche Plausch am langen Tisch im AoSane

An zweiter Stelle stehen die vielen kommunikativen Treffen, sprich: Gemeinsames abendliches Betrinken am Stammtisch, auch „Narrentisch“ genannt. In den rund zwanzig Jahren, die ich immer wieder mal hierher gekommen bin, habe ich viele Stammgäste kennengelernt. Und nahezu jeden Abend trifft man sich ab 18.00 Uhr im Ao Sane, um am langen Holztisch direkt am Strand die Erlebnisse des Tages auszutauschen und die eine oder andere Flasche Gin oder Whisky auszutrinken. Dazu das leckere Thaifood – was will man mehr?

In diesem Jahr was die Auswahl der Ao Sane-Stammgäste etwas reduziert. Außer einer starken Nürnberger Fraktion waren nur wenige Deutsche angereist. Ludwig und Rosy, Bernt und Herma sowie Sarah und ich vervollständigten den Stammtisch. Nach dem Essen stand oft eine Flasche Gin oder Whisky auf dem Tisch, verdünnt mit Tonic Water, Cola oder Soda. Dazu natürlich eine Unmenge an Eiswürfeln und Limonenscheiben. Der erste „große“ Abend in unserem Urlaub war der „Heraldo“-Gedenktag. Heraldo, der Mann von Helga, war vor ein paar Jahren bei einem Tauchversuch infolge eines Herzinfarktes verstorben und Helga zelebriert seither seinen Todestag mit Feuerwerk und den berühmten Papierlampions, die man anzündet und gen Himmel steigen lässt. Heraldo war ein begnadeter Fotograf. Er hatte zwar auf den ersten Blick etwas von einem verbissenen, bösartigen Gnom. Aber wenn man ihn näher kannte, entpuppte er sich als sehr liebenswürdiger, sehr genau beobachtender Zeitgenosse mit einem wunderbaren Hang zum Sarkasmus. In dieser Disziplin wurde er nur von Willy übertroffen, einem Reisebuchautor, der schon seit Jahrzehnten Thailand bereist und all diese Bücher mit den tollen Tipps verfasst.

Sarah hatte sich noch ein bisschen im Hotelzimmer ausgeruht und kam dann gegen halb zehn zu uns. In letzter Sekunde konnte sie noch was zu Essen bestellen, da die Küche im allgemeinen um 21:30 Uhr schloss. Das Feuerwerk war absolut professionell und sehr umfangreich. Vorbei die Zeiten, dass man einzelne Kracher anzündete und möglichst schnell wegwarf. Hier schossen ganze Batterien von Raketen in den Himmel und entfalteten im Himmel ihre immer wieder abwechselnden Muster von farbenfrohen Sternen, Feuerregen und Knalleffekten.

Las Vegas-Feeling im Ao Sane

Beim anschließenden Montieren der Papierballons – sie wurden quasi als Bausatz geliefert – halfen wir alle mit. Nach und nach wurden die Brennpasten angezündet, um im Ballon die notwenige heiße Luft zu erzeugen, damit die Ballons in den Himmel stiegen. Leider hätten wir beinahe das halbe Restaurant abgefackelt, als sich einer der Ballons statt in den Himmel auf das Restaurant zubewegte und in einem Baum steckenblieb. Guy – die Inhaberin – lief schon nervös hinterher, um den Ballon mit einem Stock loseisen zu können, aber der fand den Weg dann auch ohne Hilfe und stieg schnell nach oben. Im Himmel hatten sich die Ballons ganz schnell hintereinander eingereiht – wie eine Perle flog der Konvoi Richtung Horizont. Nach etwa fünf Minuten war nichts mehr zu sehen.

So sieht ein Ballon aus, kurz bevor er abhebt

Es wurde eine sehr Gin-lastige Nacht, die aber am nächsten Morgen keinerlei Reue nach sich zog. Die frische Luft sorgte für unbeschwerten Genuss ohne Kater.

Apropop Kater: Eine Katze gab es am Ao Sane auch. Eine fette, weiße Katze, die sich immer auf denselben Stuhl setzte und ihr Fell leckte. Außer der Katze gab es noch drei Hunde und offensichtlich ein paar Ratten.

Die Hunde waren recht gepflegte Golden-Retriever-Mischlinge, die sich den lieben Tag lang gerne im Meer rumtrieben und abends Jagd auf die Ratten machten. Selbige schienen unter dem Dach in einer Art Dachrinne zu wohnen. Eines Abends war eines der possierlichen Tierchen (etwas größer als unsere Hausmaus) so blöd, sich durch Tippeln oder Gerüche zu verraten. Die Hunde waren alarmiert und tobten wie wild herum. Aus Panik verließ die Ratte die schützende Dachrinne, wodurch die Hatz nun erst recht begann. Die Hunde rannten hinter der flinken Ratte hinterher, dass man mit dem Gucken gar nicht nachkam. Sie wuselten durch unsere Beine, bellten und knurrten, bis man nur noch ein letztes Fiepen der unterlegenen Ratte vernahm. Ein hörbares Knacken infolge eines beherzten Bisses hatte ihr den Garaus gemacht. Sie lag am Strand, zuckte noch ein paar Sekunden lang und war dann mausetot, äh, rattentot. Die Hunde haben das Tier nicht etwa gefressen, sondern nur noch eine Weile bewacht (falls es doch noch mal aufwachen sollte) und sind dann davon getrottet. Was ein Hundeleben!

Überhaupt das Tierleben! In unserem Bungalow fand ich nach drei Tagen im Bad eine relativ erledigte „Cuceracia“, also eine etwa drei Zentimeter lange Kakerlake, die hier eindeutig fehl am Platze war. Erledigt deshalb, weil ihr die Kraft fehlte, bei meinem Eintreten davonzurennen, wie es eigentlich die Art dieser Wanzen ist. Sarah hat das Tier dann unter ein Regalbrett befördert, wo es seitdem tot rumlag und auch vom Hotelpersonal nicht entfernt wurde.

Unser Haustier
Tja, das Personal. So richtig dolle lief das nicht. Mal fehlten Handtücher, mal wurde der winzige Papierkorb nicht geleert oder benutzte Handtücher nicht mitgenommen. Unser Wunsch nach einem dünnen Laken, damit man nachts nicht auf Gefriertemperatur runterkühlen musste, wurde leider nie erfüllt. Auch gab es keinen Aschenbecher und manchmal keinen Zahnputzbecher. Aber das waren ja alles nur Kleinigkeiten. Im großen Ganzen war unser Bungalow im BAN KRAATING absolut in Ordnung. Das Frühstück war ein Traum – selbst der Kaffee schmeckte besser als zuhause. Und das Schönste: Auch wer kein Hotelgast war, konnte hier für nur 150 Baht, also etwa 3,75 Euro, soviel essen und trinken, wie er wollte. Im Ao Sane kostete jeder Saft, jedes Ei oder was auch immer einzelne Beträge, die sich – verglichen mit dem Buffet bei uns – zu einer horrenden Summe addieren konnten.
Bei allem Schwärmen über diesen wunderbaren Flecken der Erde darf man aber nicht vergessen, dass es auch hier, speziell im Ao Sane, einige negative Aspekte gibt, mit denen man sich abfinden muss. Wer „etepetete“ ist, hat hier nichts zu suchen. Die Hütten sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Manche haben nicht einmal ein Fenster, selten gibt es Betten, sondern nur verranzte Matratzen, und die Bettwäsche wird nur auf Verlangen gewechselt, wobei die Laken meilenweit von der „Persil-Reinheit“ entfernt sind.
Auf dem Gelände liegt überall Müll in Plastiksäcken rum und zwar so lange, bis sich irgendeiner erbarmt, das Zeug zu entsorgen. Es gibt auch seit Jahren eine Hüttenruine, von der nur noch das Bad steht. Die Schlösser lassen sich von Dreijährigen knacken, sofern die Hütten überhaupt verschlossen sind. Es gibt selten Regale oder gar Schränke in den maximal 5 qm großen, meist aus Holz und Stroh gebauten Schlafbungalows. Natürlich keine Klimaanlage, keine Kaffeemaschine, kein Fernseher, kein Kühlschrank. Eigentlich gibt es nichts. Man braucht die Hütten ja auch nur zum Schlafen. Immerhin gehören Moskitonetze zur Grundausstattung. Einbrüche gibt es selten, aber sie kommen vor. Es handelt sich meist um Beschaffungskriminalität irgendwelcher Drogenabhängiger, die es trotz drastischer Strafen leider recht häufig gibt. Vor ein paar Tagen wurde einem Schriftsteller mitten in der Nacht das MacBook durch das offene Fenster geklaut. Den USB-Stick mit den Datensicherungen hat der Dieb sorgsam abgezogen und da gelassen. Die Toiletten sind der letzte Scheiß, wenn ich das mal so sagen darf. Durch die vielen unterschiedlichen Gäste ist der Pflegeaufwand auch sehr unterschiedlich. Selbst im Restaurant, das doch wirklich höchsten sanitären Ansprüchen genügen sollte, sind die beiden Toiletten eine Zumutung. Täglich verstopft, kein Papier, vollgesifft und stinkend. Waschbecken? Vor der Tür. Wenn man das Wasser aufdreht, spritzt es direkt darunter wieder raus und versaut einem Hose und Schuhe. Und die schönen Hunde kacken ungeniert an den Strand. Mit ein bisschen Glück werden die Haufen von der nächsten Flut ins Meer gespült, wo man sie hoffentlich beim morgendlichen Bad in den Meeresfluten nicht wieder trifft.

Hier besteht also noch deutlich Handlungsbedarf!

Das nenne ich mal einen Strand!

Hätte ich Sarah dies alles vor unserem Abflug erzählt, wäre sie wohl noch am Frankfurter Flughafen umgekehrt. Aber der Mensch gewöhnt sich halt doch an Vieles. Als sie am Tag der Ankunft die Toilette neben der Rezeption des Baan Krating benutzte, war sie einem Schreikrampf nahe. Nachdem sie nun einige andere Toiletten kennt, ist eigentlich alles gar nicht mehr so schlimm. Man gewöhnt sich einfach dran. Und viele scheinen das viele Negative auch so unwichtig zu finden, dass sie teilweise über 35 Jahre lang fast jedes Jahr hierher kommen. Warum? Sicher spielen die Kosten eine Rolle. Während unser Bungalow im Baan Krating 1600.- Euro für zwei Wochen gekostet hat, sind die Preise im Ao Sane deutlich günstiger. Die Übernachtung kostet ab 2 Euro aufwärts bis etwa 20 Euro für die zwei oder drei Luxusbungalows, die nach dem Tsunami neu gebaut wurden. Hans aus Freiburg kommt jedes Jahr für drei Monate hierher. Er zahlt insgesamt 500.- Euro für die Übernachtungen. Damit ihm nicht langweilig wird, läuft er jeden Morgen barfuß bis zum Yachtclub und schwimmt von dort ins Ao Sane. Abends schwimmt er wieder zurück und läuft die Strecke vom Yachtclub zum Ao Sane zurück ebenfalls ein zweites Mal. Das sind in drei Monaten 90 Kilometer Schwimmstrecke und etwa eben soviel Laufpensum. Ich finde, da lohnt sich doch schon ein Moped…

Onkel Toms Hütte

Warum kommen alle immer wieder hierher, wenn sie den „Spirit“ dieser Anlage einmal erfahren haben? Ich weiß es nicht. Aber mir geht es ja nicht anders. Und Sarah, die noch nie hier war, ist ja auch begeistert und will auf jeden Fall mal wieder hierher kommen. Es ist einfach schön, jeden Tag neue, interessante Leute kennen zu lernen, die ähnlich ticken und viel zu erzählen haben. Künstler, Rucksacktouristen, Jachtbesitzer, Verrückte, Führungsgestalten, Kinder und Greise. Allen gefällt´s. Ganz sicher ist natürlich das Meerespanorama Schuld an der Treue der Gäste. Unverbaubarer Strand direkt zu Deinen Füßen, eine stille Bucht mit vielen kleinen Jachten, Badestränden und Kletterfelsen, Sonnenuntergang wie im Bilderbuch inklusive. Jeden Tag. Die rund zwanzig Hütten beherbergen etwa 40-50 Touristen. Im Baan Kraating dürften es maximal hundert sein, die man aber nie sieht. Viele kommen abends ins Ao Sane und viele gehen auch früh zu Bette.

Wer will da ins Bett gehen?

Überhaupt sollte man im Baan Krating mit dem Aufenthalt im Freien ab etwa 17.00 Uhr sehr, sehr vorsichtig sein. Ich habe vor ein paar Tagen den Fehler gemacht, mich zum Sonnenuntergang auf die Terrasse des Restaurants zu setzen, um dort noch ein paar Sprachaufnahmen sauber zu schneiden, die ich vorher in meinem Minimobilstudio gemacht hatte. Es dauert keine fünf Sekunden, bis ich mich mit Händen und Füßen gegen die anrückende Moskito-Übermacht verteidigen musste. Nach etwa einer Minute stürzte ich ins Innere des Restaurants, wo es aufgrund der offenen Türen und Fenster kein bisschen besser war. Die Biester bissen mich im Akkord. Das Foto meines Rückens sagt ja wohl alles. Insgesamt habe ich über vierzig Stiche gezählt, die mir größtenteils durch die Kleidung hindurch zugefügt wurden.

Von vorne sind es noch mal zwanzig Stiche
Im Ao Sane ist es nicht so schlimm. Da wird ab 17.00 Uhr ein sogenannter „Coil“ angezündet und unter die Tische gestellt. Der Rauch, der durch die abbrennende Paste erzeugt wird, vertreibt die Biester. Außerdem ist hier sehr viel mehr Wind, was die Treffgenauigkeit der Moskitos empfindlich beeinträchtigt. Die Stiche jucken erst einen Tag später. Teilweise dauert es drei Wochen, bis alles wieder verheilt ist.

Diese Tempel stehen überall rum

Reden wir lieber von angenehmeren Dingen.

Sarah, Herma und Ludwig beim 3. Frühstück

Massagen. Mus man gemacht haben. Wenigstens einmal. Am Strand und auch im Ort findet man alle paar Meter Einladungen zur Massage. Während die Massagen am Strand hauptsächlich der körperlichen Erbauung dienen, sind die Massagen im Ortskern eher sexueller Natur und sollen hier nicht beschreiben werden. Nur so viel: Vor ein paar Jahren war ich mit meiner Ex-Frau Eva und unserem Sohn Benjamin etwas außerhalb in einem Massagebetrieb, der einen ordentlichen Eindruck machte und typische Thai-Massage anbot. Wir also alle drei rein, Schuhe aus und auf die Liegen gelegt. Etwas verwundert war ich, dass ich mittels eines Vorhangs von den beiden anderen getrennt wurde. So gingen denn die Damen ihrer Knetkunst nach. Ich dachte an nichts Böses, als plötzlich die Hand „meiner“ Schönen in meiner Unterhose landete, um dort für etwas mehr Blutzufuhr zu sorgen. Ich bin so erschrocken, dass ich nur laut „nein, nein“ rufen konnte, was das Mädel schwer erstaunt hat. Dachte sie doch, ich hätte eine ganz andere Art des Massage geplant. Hui, da war ich aber schnell wieder draußen. Bin eigentlich nicht verklemmt, aber vor meiner Frau und meinem Sohn war mir das doch nicht so angenehm.

Sarah beim späten Frühstück

Also NORMALE Thai-Massage. Da wird man eingeölt und überall geknetet, dass es nur so kracht. Sarah beschrieb die Massage als „ziemlich erotisch“, so wie die Dame da auf ihr rumwalkte. Etwas irritierend und der Sache wenig dienlich war, dass die Profi-Masseurin ständig telefonierte oder sich mit ihren Kolleginnen unterhielt. 500 Baht kostete der einstündige Spaß, rund 12.50 Euro. Dafür bekommt man im Bad Homburger „SPA“ gerade mal die Füße benetzt.

Meine letze Thai-Massage war eine Fußzonen-Reflexmassage. Etwas, das gehörig weh tut und nur sehr leidensfähigen Männern zu empfehlen ist. Die Masseurinnen fanden ständig irgendwelche verhärteten Punkte in meinem Körper, auf denen sie rumdrückten, bis mir die Tränen kamen. Außerdem haben sie schon vor zehn Jahren behauptet, meine Leber hätte einen Schaden, obwohl sie gar nicht in die Nähe meiner Leber gekommen waren. Sicherheitshalber meide ich diese Massagen inzwischen wie die Pest. (Und meine Leberwerte waren damals wirklich etwas erhöht, das machte mir besondere Angst).

 
Die Früchte befinden sich in der Ananas

Über das Nachtleben von Nai Harn gibt es eigentlich nichts zu berichten. Es findet nicht statt. Die üblichen Animierbars mit den bekannt blutjungen Thaimädels sind weiter nördlich zu finden, Richtung Phuket Town. Ich hab damit nichts am Hut und kann daher auch nichts darüber erzählen. Ich habe zwar Freunde, die nur aus diesem Grunde immer wieder nach Thailand fahren, aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Für die Mädchen muss es eine ziemliche Zumutung zu sein, irgendwelche Ekelpakete einen Urlaub lang aushalten zu müssen, damit sie mit dem kargen Liebeslohn ihre Familien unterstützen können. Der Beruf dieser Konkubinen ist in Thailand durchaus geachtet. Auch hier Toleranz, wohin man blickt. Ich bekomme allerdings Würgereize, wenn diese alten, fetten Säcke mit kaum 18-jährigem Frischfleisch händchenhaltend von Bar zu Bar ziehen. Aber ich sollte mir keine Verurteilung anmaßen. Oder wie Sarah sagte: Wer im Porzellanladen sitzt, soll nicht mit Elefanten werfen. Ich bin ja schließlich selber mit einer 36 Jahre jüngeren Frau nach Thailand gekommen. OK, hier geht es nicht um Sex, aber das wissen ja die anderen nicht. Oft wurde Sarah gefragt, ob ich ihr Vater sei. Wenn sie das verneinte, wurde vermutet, dass wir verheiratet seien. Da das auch nicht stimmte, fragten sie nicht weiter. Wir haben uns jetzt auch Vater/Tochter geeinigt, das ist am Glaubhaftesten. Ihr Vorschlag, mich als ihren Onkel zu bezeichnen, hatte da wohl noch einen viel anzüglicheren Beigeschmack…

Obst ist gesund und günstig

Dieser Blog heißt ja Thai-Therapie, und es ist wohl an der Zeit, das etwas näher zu erklären. Das Ziel war, Sarah durch die problemlose Bewältigung einer Reise um die halbe Welt (Hin- und zurück) ein wenig mehr Selbstvertrauen zu geben. Sie sollte Gelegenheit haben, Ihre Ängste zu überwinden und Panikanfälle zu vermeiden. Gerade die relative Abgeschiedenheit dieses Urlaubsortes mit den beiden Zentren Baan Krating (Zum Wohnen) und Ao Sane (Zum Leben) boten hierfür die besten Voraussetzungen. Und das schien bisher sehr gut geklappt zu haben. Noch wollte Sarah zwar keine Ausflüge zu weiter entfernten Sehenswürdigkeiten unternehmen, aber der Radius hatte sich in den bisherigen 10 Tagen gewaltig erweitert. So waren wir auf einem kleinen Berg in der Nähe, um Klamotten zu kaufen und sogar dreimal auf einem kleinen Markt in Nai Harn.

 
Im Einkaufswahn

Sarah hat sich zweimal massieren lassen, hat eine Unmenge neuer Speisen ausprobiert, vor wildfremden Menschen durch ihre freundliche Art zu kommunizieren brilliert und hat eine innere Ruhe gefunden, die sie vorher nicht hatte. Selbst meine Nähe hat sie tapfer hingenommen (was dann auch wieder für mich spricht). Nach zwei Wochen in einem kleinen Apartment ist einem wahrscheinlich eh nichts Menschliches mehr fremd. Sarah zieht gerne spontan los und fotografiert die Schönheiten dieses Ortes. Und da ich auch viel fotografiere, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sarah auf einigen Fotos endlich mal selbst zu sehen ist (was bei Fotografen eher selten ist).

 
Zweieinhalb Generationen schöner Frauen
  1. Diese Therapie wirkte auch in die andere Richtung. Ich habe meine „Ferienarbeit“ auf das Notwendigste zurückgeschraubt und fing an, täglich mehr und mehr zu faulenzen. Andere nennen das „Urlaub machen“, aber das kannte ich so noch nicht.  Die Beantwortung der E-Mails konnte nun schon mal einen ganzen Tag dauern und selbst die Sprechaufträge wurden möglichst auf die Zeit nach dem Urlaub verlegt.

    In den letzten Tagen des Urlaubs hat sich Sarahs Radius – und damit auch meiner – ständig erweitert. So waren wir ein paar Tage später schon auf dem Phromtheb Cape, einem kleinen Hügel, von dem man den Sonnenuntergang perfekt beobachten kann. Außerdem befinden sich hier rund ein Dutzend kleiner Geschäfte mit modischem Thailand-Schnickschnack. Und da hat Sarah gründlich zugeschlagen. Da sie ihren Bikini anhatte und darüber nur ein durchlöchertes Strickkleid, konnte sie es sich ersparen, für jede Anprobe in eine enge Kabine zu verschwinden. Sie zog sich einfach mitten im Geschäft um. Nicht ein mal, nicht zehn mal, sondern gute dreißig mal in der einen Stunde, die wir dort im Kaufrausch waren. Die anderen Touristen und das Personal hatten ihre Freude…

    Nicht jedes Teil steht jedem gleich gut…

    Ein anderes Mal fuhren wir zu einer Elefanten-Trecking-Station. Leider war nur ein einziger junger Elefant anwesend, und der war auch noch angekettet und litt unter deutlichem Hospitalismus. Er schwenkte seinen Körper ständig hin und her und machte einen eher unglücklichen Eindruck. Die Bilder, die ich mit Sarah und dem Elefanten machte, entstanden unter einem sehr schlechten Gewissen, da wir solche Tierquälerei hassen und durch die Fütterung des armen Dumbos nicht hätten unterstützen dürfen. Immerhin bekam der Kleine auf diese Weise etwas zu essen. Und Sarah kann ihren Freundinnen berichten, wie sich ein Elefantenrüssel auf ihren Brüsten anfühlt… (Gute Manieren hatte das Tier nämlich nicht!).

    Sarah als Elefantendompteuse

    Wer mich kennt, weiß, dass ich so gut wie nie ins Meer gehe. Eher verirre ich mich im Swimming Pool, aber generell bekommt man ja durch´s Duschen genug Wasser ab. Im Meer beißen Fische, lauern Korallen, liegen Seeigel rum oder verbrennen einem Quallen die Beine. Ich hatte Sarah gewarnt, aber sie ging trotzdem immer wieder rein. Einmal wollte sie meine Unterwasserkamera testen. Die Aufnahmen sind auch wunderbar geworden – bis zu dem Moment, wo sie sich an einem Korallenriff den Fuß aufschlitzte. Das Meer färbte sich augenblicklich blutrot und ein gellender Schrei durchdrang die gemütliche Soundkulisse des kleinen Strands am Baan Krating. Sarah vergaß, die Kamera abzuschalten, so dass man später ihren Fluchtweg rekonstruieren konnte. Sie kreiselte dabei eher wie ein Propeller auf der Oberseite des Wassers als dass man dies Schwimmbewegungen hätte nennen können. Aber die wohl als Notprogramm fest im Menschen verankerte Fortbewegungsweise führte zum Erfolg. Sarah entwich den Korallen und tauchte wohlbehalten, aber blutend wieder aus dem Wasser auf.

     
    Sanitäter! Sanitäter!

    Der Schnitt – etwa zwei Zentimeter lang – klaffte ein wenig auseinander, aber die Blutung wurde schnell gestoppt. Das Salzwasser selbst fungiert ja gut als Desinfektionsmittel. Sarah spürte keinerlei Schmerzen. Erst am Abend fing die Wunde wieder an zu brennen. Aber Sarah kannte ein altes Hausmittelchen: Zur Desinfektion kleiner Wunden eignet sich hervorragend URIN, und zwar der eigene. Der ist steril und räumt mit Bakterien zuverlässig auf. Die Details der Anwendung hat Sarah allerdings für sich behalten.
    Wikipedia schreibt übrigens über Eigenurinbehandlungen: Eigenurinbehandlungen gelten aus wissenschaftlicher Sicht als bestenfalls wirkungslos. Falls Personen mit ernsthaften Erkrankungen (wie Diabetes mellitus) statt einer wirksamen ärztlich verordneten Therapie eine Eigenharnbehandlung durchführen, drohen unter Umständen gefährliche Folgen aus der unterlassenen Behandlung der ernsthaften Erkrankung.

    Neulich hatten wir schon wieder Besuch im Bungalow. Es war schon wieder eine Kakerlake, die wohl nach ihrem Verwandten Ausschau hielt, der immer noch – vom Reinigungspersonal unentdeckt – unter dem Regalbrett auf dem Boden lag. Als Sarah ins Bad kam, krabbelte die Wanze gerade über meinen elektrischen Rasierapparat. Sarah warf sofort ein Handtuch darüber und brachte beides – Rasierer und Handtuch – zur Toilette, in die das Vieh getaucht werden sollte. Leider hatte die Kakerlake andere Pläne und sprang Sarah auf den Unterarm. Auch diesen Schrei hörte man meilenweit. In ihrer Panik schüttelte sie nicht nur die Kakerlake ins Klo, sondern meinen Rasierer gleich noch mit.

    Da Sarah dachte, das Gerät sei locker einige hundert Euro wert (war es aber nicht, gibt’s bei Aldi für 17.95 Euro), überwand sie ihren Ekel und fischte ihn wieder aus dem Klo heraus. Danach wusch sie ihn gründlich ab und reinigte ihn noch mit einem Brillenputztuch. Letzteres war überflüssig, da ich selten durch meinen Rasierer hindurch schaue. Wie auch immer, das Teil war gerettet und funktionierte auch noch einwandfrei, da es ohnehin ein wasserdichter Apparat war. Ich habe ihn dann sicherheitshalber doch noch mal auseinander genommen und gründlich gereinigt. Ein paar Tage später hat Sarah ihn nochmal runtergeworfen. Dann war er allerdings wirklich kaputt…

    Nachdem wir im Ao Sane von dem kostengünstigen Frühstück im Baan Krating berichtet hatten, stieg dort der Anteil der Fremdgäste von Tag zu Tag. Heute waren es schon ZEHN Ao San-Gäste, die so lange aushielten, bis das Buffett wirklich bis zum letzten Bissen leergeräumt war. Bezahlt wurde bar ohne Quittung und ohne Bedienungsgeld oder Steuern, die üblicherweise im Hotel anfallen. Wir vermuteten mal, dass sich die Angestellten mit dem Geld einen kleinen Bonus aufbauten. Den hatten sie auf jeden Fall auch verdient, da der Service im Baan Krating (und natürlich auch im Ao Sane) einfach hervorragend war. Bestimmt wurden die übrig gebliebenen Lebensmittel ansonsten eh vernichtet.

Stefan, kurz vorm Ausstechen seines rechten Auges

Hier noch ein paar Bemerkungen über die Bewohner vom Ao Sane während unseres Urlaubs:
Christoph, der Osteopath aus Rosenheim, hatte einen privaten Ausflug nach Phang Nang organisiert, wo es z.B. das berühmte „James Bond-Island“ zu besichtigen gibt. In irgendeinem Bondfilm mit Sean Connery fliegt ein Motorboot auf einen Strand – und das ist genau dort gedreht worden. Christoph hatte seine Frau Gloria und Helga, die Frau vom verstorbenen Heraldo, mit auf die Reise genommen. Alles mit Mietwagen und privat gemietetem Longtail-Boot. Muss sehr romantisch gewesen sein. Leider auch sehr sonnenreich. Als die drei abends zurück ins Ao Sane kamen, brauchte man keine Lampen mehr, so haben die geleuchtet. Bei Christoph hatte sich das Rot aber ganz schnell in eine dunkle Bräune verwandelt, um die ihn jetzt viele beneiden. (Mich eingeschlossen. Ich muss der Sonne endlich mal eine Chance geben!)

Als Arzt ist man am Ao Sane übrigens ein gefragter Mann. Ständig musste Christoph irgendwelche Füße abtasten oder wichtige Ratschläge geben. Natürlich ohne AOK-Karte und ohne Handwerkszeug. Seine Frau Gloria arbeitet als Sekretärin.

Aus Dänemark kam ein Stammgast, den ich auch schon viele Jahre kenne. Er war früher so etwas wie der Karl-Heinz Köpke der „Tagesschau“ – der Anchorman der dänischen Nachrichten. Sein zu Besuch weilender Freund war ein bekannter Sänger und Gitarrist, der uns stolz seine neueste Produktion zeigte: Verschiedene alte Titel von George Harrison, neu interpretiert von ihm, gesungen von seiner Tochter und vermarktet von seiner Frau. Am Wochenende nach unserem Abflug sollte er ein Konzert in Phuket geben.

Auf einen Longdrink im Yacht Club

Der norwegische Schriftsteller, der inzwischen einen neuen Laptop hatte, entpuppte sich als Bestsellerautor, obwohl ich noch nie was von ihm gelesen habe. Nun gut, vielleicht sind seine Bücher gar nicht ins Deutsche übertragen worden.

Stefan aus Nürnberg reist wohl sehr viel durch die Welt, seit er wieder Single ist und verbringt die Nächte auch gerne mal in den diversen Nachtclubs der Insel. Allerdings ist sein Urteil vernichtend: Nachts um zwei sähe man nur noch Verstörte. Besoffene Irre, drogenabhängige Fixer, widerlich runtergekommene Gestalten ohne einen Funken Anstand und die entsprechenden weiblichen Gegenstücke aus Thailands tiefster Schicht. Warum er die nächtlichen Kneipenbesuche dann doch noch regelmäßig durchführt, erschließt sich mir dann nicht ganz. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich…

Wer gerne Kakerlaken isst, kommt in Thailand voll auf seine Kosten
Da auch in Thailand jeder Tag 24 Stunden hat, verteilen sich Highlights des Urlaubs auf einige wenige Events. Dazwischen legt man sich ziemlich häufig auf´s Ohr, schläft hier ein Stündchen, ruht da eine Weile und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Wenn man nicht schläft, isst man. Und abends trinkt man noch dazu. Dann schläft man wieder. Eigentlich ganz einfach, so ein einfaches Leben in der einfachen Natur.

Der Schlaf der Gerechten

Habe ich schon über das Wetter geschrieben? Das Wetter ist konstant wunderbar. Tagsüber 31-32 Grad, abends auf 26 Grad abkühlend. So warm ist leider auch das Wasser, zumindest am Strand. Aber das Meer meiden wir ja inzwischen beide…

Der Wind säuselt leise um uns herum und lässt uns auch die größte Hitze ertragen. Bisher hat es nur drei mal für kurze Zeit geregnet. Einmal fing es ausgerechnet in der Minute an, in der Sarah mitten in der Nacht an den Strand gehen wollte. Sie hat dann zwei Stunden in der Rezeption warten müssen, bis der Regenguss beendet war.

Im Hintergrund sieht man den Sturzbach aus der Decke plätschern

Ein paar Tage später ging abends ein weiterer Regenguss runter, während wir am Ao Sane am „Narrentisch“ saßen und gerade mit dem Essen fertig waren. Das Dach ist nicht sonderlich dicht, so dass wir alle ganz schön bedröppelt aussahen. Nach ein paar Runden „Wer wird Millionär“ auf dem iPad war das aber ganz schnell wieder vergessen. Millionär sind wir leider nicht geworden.
Der dritte Regen bestand nur aus ein paar Tropfen, die man gar nicht erwähnen sollte.

Infolge Sarahs Ängsten haben wir leider nicht sehr viele Sehenswürdigkeiten dieser Gegend besucht. Erwähnt seien der Riesenbudda, der ca. 30 Meter hoch auf dem Gipfel eines Berges steht, diverse Tempel, deren Besichtigung sich immer wieder lohnt, die Stadt Phuket an sich, das Aquarium mit den vielen Haien, die unglaublichen Einkaufszentren, die Nachbarstadt Patong und und und…

Aber ehe wir uns versahen, stand die Abreise vor der Tür. Da der Flug morgens um 9.35 Uhr ging, mussten wir sehr früh aufstehen. Deshalb ging unser letzter Abend am Ao Sane auch sehr früh zu Ende. Um 22.00 Uhr trotteten wir in unseren Bungalow, um die bereits gepackten Koffer zu verzurren. Lediglich das Waschzeug musste am nächsten Morgen noch eingepackt werden. Vor Mitternacht kamen wir irgendwie nicht zur Ruhe – und als um 5.00 Uhr der Wecker klingelte, war ich kurz davor, eine Woche dranzuhängen…

Um 5.40 verließen wir Baan Krating bei tiefer Dunkelheit. Das Autochen hatte jetzt rund 350 Kilometer mehr drauf, aber der Tank war fast leer. Auf dem Weg zum Flughafen musste ich ihn ohnehin wieder volltanken. Um kurz vor sieben waren wir am Flughafen. Die AVIS-Mitarbeiter begannen gerade ihren Dienst, als ich in ihr Büro eintrat. Die Rückgabe verlief schnell und unkompliziert. Danach die üblichen vielen kleinen Steps für Sarah: Einchecken, Passkontrolle, Gepäckkontrolle, warten, Boarding, 13,5 Stunden fliegen, ankommen, Passkontrolle, Zollabfertigung, Taxifahrt, ENDE.

Das Fazit:
Nach dem zehnten Mal in Nai Harn zieht es mich die nächsten Jahre wohl eher wieder an andere Ziele. Es gibt auf dieser Welt noch soviel zu sehen. Und ob ich mir noch mal eine Begleiterin mitnehme, steht auch in den Sternen. Wenn ja, muss doch so etwas wie eine Beziehung zwischen uns bestehen. Dazu kommt man sich einfach zu nah. Und wenn man sich dann nicht nahe kommen kann, ist das Ganze ziemlich enttäuschend. Wieder was gelernt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.